Ellām Ondrē
Alles ist Eins



Dieses aussergewöhnliche Büchlein Ellām Ondrē wurde vermutlich im 19. Jahrhundert von Vaiyai R. Subramanyam in Tamil geschrieben und später in viele Sprachen übersetzt.
Über den Autor ist leider nichts bekannt.

Sri Ramana Maharshi (Der Weise vom Berg Arunachala) hat dieses Büchlein öfters seinen Schülern empfohlen mit dem Hinweis, dass, wer es versteht, zur vollen Erkenntnis kommt.

Wenn du Befreiung willst, dann schreibe,
lese und praktiziere die Anweisungen in Ellām Ondrē.“
S.R.M.





Einleitung des Autors Vaiyai R. Subramanyam

Alle Lebewesen, also auch der Mensch, streben danach, glücklich zu sein und Elend zu vermeiden.
Aber die höher entwickelten Menschen sind auf rechte Lebensführung ausgerichtet und nehmen mit Geduld hin, was immer ihnen daraus erwächst; sei es gut oder schlecht.
Ein Zusammensein mit solchen Menschen ist von dauerhaftem Nutzen, denn Gutes kann der Welt nur durch diese höhere Ordnung widerfahren.

Nun stellt sich die Frage: Was ist recht? Diese Frage ist wichtig, aber die Antwort wurde nie gefunden. Warum? Weil das, was recht ist, von den Umständen abhängt. Wie umfassend eine Schrift zu diesem Thema auch ist, es wird immer Umstände geben, die der Autor nicht in Betracht gezogen hat. Daher ist es notwendig, jenen Zustand zu erreichen, der uns in die Lage versetzt, die unterschiedlichsten Bedingungen richtig einzuschätzen und klar zu entscheiden, was in jeder Situation rechtes Handeln ist. Es gibt nur einen solchen Zustand. Kein anderer ist ihm gleich. Obwohl er so einzigartig ist, erfahren ihn die Menschen erstaunlicherweise selten. Wie sonderbar! Dieser einzigartige Zustand wird sehr klar in den Upanishaden beschrieben. In diesem Buch habe ich dieselbe Wahrheit aus meiner Sicht dargelegt. Ich behaupte nicht, etwas neues zu sagen, aber ich halte es für meine Pflicht, mein Wissen weiter zu geben.

Alle Kapitel in dieser Schrift sind so eng miteinander verbunden, dass das, was man an einer bestimmten Stelle erwartet, vielleicht an einer anderen Stelle findet. Sicher werden auch ein paar Punkte, die bei einem oberflächlichen Lesen nicht klar sind erst bei tieferem Studium klar. Gibt es dann immer noch Fragen, sollten die Interessierten bei den Weisen oder in den Schriften Aufklärung suchen.




EINS - SEIN

1. Alles, die Welt die du siehst, sowie du selbst, der Betrachter dieser Welt, ist EINS.

2. Alles, was du als ICH, DU, ER, SIE, und ES betrachtest ist EINS.

3. Die Lebewesen, aber auch das Unbelebte wie Erde, Luft, Feuer und Wasser, all das ist EINS.

4. Das Gute, das erworben wird, indem man alles als eins betrachtet, kann nicht erreicht werden, wenn man alles getrennt voneinander sieht.
Also ist alles EINS.

5. Alles als eins zu betrachten, ist gut für dich und ebenso für die anderen.
Daher ist alles EINS.

6. Derjenige, der denkt: "Ich bin getrennt, Du bist getrennt, Er ist getrennt", handelt auf eine Art für sich selbst, auf die andere Art für die anderen. Er kann nicht anders. Aus dem Gedanken "Wir sind alle getrennt voneinander" erwächst unterschiedliches Handeln verschiedenen Personen gegenüber.
Wie kann ein Mensch vom rechten Weg abweichen, der um das Einssein mit den anderen weiss?
Solange der Keim der Unterscheidens noch lebendig ist, wird - bewusst oder unbewusst - unterschiedliches handeln daraus erwachsen.
Daher gib es auf, Unterschiede zu sehen.
Alles ist nur EINS.

7. Solltest du dich nun fragen: In der Welt scheint alles verschieden voneinander zu sein; wie kann ich da alles als eins betrachten? Gibt es irgendeinen Weg um diese Erkenntnis zu erlangen? So werde ich dir antworten: Auf dem gleichen Baum sehen wir Blätter, Blumen, Früchte und Äste, alle verschieden voneinander und trotzdem alles eins, weil sie alle im Wort Baum inbegriffen sind. Sie haben eine gemeinsame Wurzel, einen gemeinsamen Saft.
In gleicher Weise kommen alle Dinge, alle Körper, alle Organismen aus derselben Quelle und werden von derselben Kraft belebt.
Daher ist alles EINS.

8. Mein guter Freund, finde selbst heraus, ob die Aussage: "Alles ist eins", Gutes oder Schlechtes bewirkt.

Wahrlich ist der im Recht, der sich selbst wie die anderen sieht und die anderen wie sich selbst, denn wie kann einem Menschen Schlechtes anhaften, der weiss, dass er die anderen ist und die anderen er selbst sind.
Sag mir, gibt es einen besseren Weg zum Guten als das Wissen um die Einheit? Sicherlich gibt es keine bessere Methode als diese. Wie kann jemand die anderen mehr lieben als wenn er weiss, dass diese er selbst sind?
Betrachte sie daher alle als Einheit - liebe sie alle als Einheit, denn in Wahrheit ist alles EINS.

9. Wer kann die Ruhe und den Seelenfrieden dessen ermessen, der in der Einheit lebt?
Er hat keine Sorgen. Das Wohl aller ist auch sein Wohl. Auch eine Mutter empfindet das Wohlergehen ihrer Kinder als ihr eigenes Wohlergehen, und trotzdem ist ihre Liebe nicht vollkommen, denn sie glaubt, dass sie und ihre Kinder getrennt voneinander sind. Die Liebe eines Weisen, der in Einheit mit allem lebt, übertrifft daher bei weitem die Liebe einer Mutter.
Es gibt keinen anderen Weg, eine solche Liebe zu verwirklichen, als die Erfahrung der Einheit. Daher ist alles EINS.

10. Betrachte die ganze Welt als eins mit deinem unsterblichen Körper und somit dich selbst als das immerwährende leben der gesamten Welt.
Sag mir, kann das etwa schaden?
Wer wird sich schon vor dem unverfänglichen Weg scheuen? Sei mutig. Die Veden lehren diese reine Wahrheit. Es gibt nichts anderes ausser dir selbst.
Das höchste Gut wird dir gehören. Ja, du wirst selbst das höchste Gut sein. Anderen wird nur Gutes durch dich widerfahren, denn wer würde schon seinem eigenen Körper und seiner eigenen Seele Schaden zufügen?

Wenn der Körper einen Abszess hat, wird ihm eine Salbe aufgetragen. Auch wenn es schmerzt, ist es doch nur dazu gedacht, Gutes zu bewirken. Ebenso wird es mit manchen deiner Handlungen sein; sie werden auch dem Guten in der Welt dienen. Deshalb sollst du in allem die Einheit sehen und dich nicht in Unterscheidungen verwickeln.

Ich fasse kurz zusammen: derjenige, der die Einheit kennt, handelt so, wie es am besten ist; es ist das Wissen um die Einheit, das ihn zum Handeln bewegt. Er kann sich nicht irren. Er ist GOTT, für die Welt sichtbar gemacht.
Alles ist EINS.




DU

1. Wer bist du? Bist du dein Körper? Wenn das so wäre, warum bist du dir dann während des Tiefschlafs nicht bewusst, wenn eine Schlange über ihn kriecht? Kannst du also dein Körper sein? Nein, sicher nicht. Du musst etwas anderes als der Körper sein.

2. Manchmal identifizierst du dich im Traumzustand mit jemand anderem. Kannst du jene Person sein? Du kannst sie nicht sein. Andernfalls: was würde aus dieser Person, wenn du aufwachst? Zudem schämst du dich hinterher, dich mit dieser Person identifiziert zu haben. Offensichtlich bist du nicht diese Person im Traum. Du, der diese Person mit Abstand sieht, das bist Du.

3. Nun betrachte den Zustand des traumlosen Tiefschlafs. In welchem Zustand befindest du dich da? Kann das deine wahre Natur sein? Sicherlich nicht, du wirst doch nicht so töricht sein, dich mit dieser totalen Finsternis zu identifizieren, die dich daran hindert, den Zustand, in dem du dich gerade befindest, zu erkennen. Als denkender Mensch hast du die Fähigkeit, dich von allen Dingen, die dich umgeben, zu unterscheiden, wie kannst du dann gelten lassen, der Unwissenheit oder der Leere gleich zu sein? Soll das deine wahre Natur sein? Sie kann es nicht sein.
Du weisst also, dass dieser Zustand der Finsternis deine wahre Natur verschleiert, wie kannst du dann das sein, was du als unwirklich erkannt und verworfen hast? Diese dunkle Unwissenheit des Tiefschlafs bist du also auch nicht. Etwas anderes bist DU.

4. Wenn also festgestellt wurde, dass du nicht der grob-stoffliche Körper bist, kannst du dir nun vorstellen etwas zu sein, was sich ausserhalb von ihm befindet?
So wie du nicht dein Körper bist, bist du auch nicht etwas, was ausserhalb von ihm ist, auch bist du nicht die Person aus deinem Traum und nicht die Unwissenheit des Tiefschlafs.
Weder einer dieser drei Zustände (Wachen, Träumen, Tiefschlaf), noch ein Objekt der Aussenwelt bist DU

5. Diese drei Zustände können auf zwei reduziert werden: einen, in dem man sich selbst und anderes wahr nimmt und einen, in dem man nicht einmal seiner selbst gewahr ist.
Der erstere umfasst den Wach- und den Traumzustand, der zweite ist der Tiefschlaf, in dem du dir weder deiner Existenz noch irgend welcher Objekte bewusst bist.
Alle deine Erfahrungen beruhen auf diesen zwei Zuständen. Beide sind deiner wahren Natur fremd.
Auch das bist nicht DU.

6. Du wirst jetzt fragen, was deine wahre Natur ist. Sie wird Turya genannt.
Das bedeutet: Der vierte Zustand.
Dieser Ausdruck ist angemessen, denn er drückt folgendes aus: deine drei Erfahrungszustände Wachen, Träumen und Tiefschlaf sind nicht deine wahre Natur; dein wahrer Zustand ist der vierte, er ist anders als diese drei. Hält man diese drei Zustände für einen langen Traum, so bedeutet der vierte Zustand das Aufwachen aus diesem Traum, bzw. das erwacht sein.
Somit ist er tiefer als der Tiefschlaf und wacher als der Wachzustand. Dein wahrer Zustand ist daher dieser vierte, der sich jenseits von Wachen, Träumen und Tiefschlaf befindet.
Nur das bist DU

7. Was nun ist dieser vierte Zustand?
Er ist das Wissen, das nichts mehr als getrennt wahr nimmt, das aber um sich selbst weiss. Man kann also sagen, der vierte Zustand ist vollkommenes Wissen, das zwar keiner anderen Objekte, aber seiner selbst bewusst ist. Wer ihn erfährt – sei es auch nur für einen Augenblick – der verwirklicht die Wahrheit.
Das bist DU.

8. Was erwartet denjenigen, der den vierten Zustand erreicht hat?
Der Erfahrung nach verweilt niemand für immer in diesem Zustand des ungeteilten Wissens. Auch derjenige, der ihn verwirklicht hat, wird früher oder später wieder in diese Welt zurück kehren. Aber sie ist für ihn nicht mehr wie zuvor: er sieht nun das, was er als Einheit erfahren hat, als „All dies“ in Erscheinung treten. (Was heisst: obwohl alles immer noch gleich ist, ist doch alles anders).
Er nimmt die Welt nun nicht mehr als getrennt vom Einheitsbewusstsein wahr. Folglich sieht er das, was er innen gesehen hat nun auch aussen in einer anderen Form. Anstatt alles als getrennt wahr zu nehmen wie zuvor, sieht er nun die Einheit in allem. Von nun an ist er alles. Nichts ist mehr von ihm getrennt. Mit geschlossenen oder mit offenen Augen – was auch immer geschieht – er bleibt in der Einheit. Das ist der Zustand des Brahman. Es ist natürliches, ewiges Sein.
Dieser wahre Zustand, das ist dein wahrer Zustand, das bist DU.

9. Es gibt nichts jenseits dieses Zustandes. Die Worte „Innen“ oder „Aussen“ haben keine Bedeutung mehr für ihn. Alles ist Eins.
Sein Körper, sein Denken und seine Sprache können nicht mehr egoistisch sein. Ihre Aktivität ist eine Gnade und trägt zum Wohle aller bei. Das getrennte „Ich“ ist für immer verloren. Sein Ego kann nie wieder aufleben. Daher wird gesagt, dass er hier und jetzt befreit ist.
Er lebt nicht, weil sein Körper lebt, noch stirbt er, weil sein Körper stirbt. Er ist ewig. Es gibt nichts anderes als ihn. Das bist DU.

10. Wer ist GOTT?, ER ist Gnade. Was ist Gnade? Gewahr sein ohne Ego. Wie kann man wissen, dass es solch einen Zustand gibt? Nur indem man ihn verwirklicht.
Die Veden preisen einen solchen Menschen als einen, der GOTT erfahren hat und eins mit Ihm geworden ist. Daher ist es das höchste Gut, dass wir erreichen können und zugleich der grösste Dienst, den wir der Welt erweisen können. Tatsächlich gibt es keine anderen Zustände ausser diesem einen. Andere Zustände gibt es nur scheinbar, im Zustand der Unwissenheit. Für den, der zur Erkenntnis gelangt ist, gibt es nur diesen einen Zustand.
Das bist Du.






GOTT

1. Wer ist GOTT? GOTT ist ER, der alles, was wir wahrnehmen, übersteigt.
Wenn ER also die Welt überragt, gibt es dann keine Beziehung zwischen Ihm und der Welt? Im Gegenteil, auch das kleinste Teilchen ist mit Ihm verbunden.
was ist dann gemeint mit „ER überragt die Welt“? Die Welt besteht aus uns und den Objekten, die wir wahrnehmen. Das heisst, das Belebte und das Unbelebte bilden zusammen diese Welt.
Was können wir über DEN aussagen, der die Lebewesen und die Dinge erschaffen hat?
Wir gehen davon aus, dass die mit Bewusstsein begabten Wesen den Dingen überlegen sind. Und nach unserem Verständnis gehört ER zur höchsten Seinsordnung.
Weiter kann unser Verstand nicht vordringen.
Unser Schöpfer entzieht sich also unserer Vorstellungskraft. ER kann von unserem Intellekt weder erfasst, noch beschrieben werden.
Und weil ER unseren Verstand übersteigt, sagt man: ER, der alles überragt, das ist GOTT.

2. Kann GOTT denn gar nicht von uns erkannt werden?
Es ist nicht ganz so, denn in gewisser Weise gibt ER sich uns zu erkennen. Soviel Gnade sollte uns genügen. Wir brauchen nicht seine ganze Grösse zu erkennen. Das, was ER uns von ihr enthüllt, reicht gerade, um unser Elend zu beseitigen. Warum sollte ER uns mehr von seiner Kraft geben, als für die Heilung unserer momentanen Nöte erforderlich ist?
ER gibt sich also unseren Bedürfnissen entsprechend zu erkennen; ja, ER ist immer in unserer Reichweite und obwohl ER so unendlich Gross ist, ist ER, wenn auch begrenzt, für uns ein „erfassbarer“ GOTT.

3. Was bringt IHN in den Bereich unserer Erkenntnis?
Das Wissen, dass ER - SAT CIT ANANDA ist. (SEIN – BEWUSSTSEIN – GLÜCKSELIGKEIT).
SAT (SEIN) bezeichnet das, was unvergänglich ist, was ewig währt. Sollte ER einmal nicht mehr sein, wer hätte Ihm ein Ende gesetzt? Wer hat Ihn erschaffen? Die vergängliche Natur aller Erscheinungen lehrt uns, dass diese von Einem, der unvergänglich ist, gelenkt werden; dieser unsterbliche „Lenker“ ist GOTT. Seine unvergängliche Natur ist SAT (SEIN).

Unter CIT (BEWUSSTSEIN) verstehen wir Allwissen. Dieses ist absolut und nicht wie unser unvollkommenes Wissen Irrtümern und Schwankungen unterworfen. Es ist reine, klare Erkenntnis.

Immer wieder belehrt ER uns, in dem ER sagt: „Euer Wissen ist unbeständig und voller Irrtum“. Wie wohlgeordnet sind hingegen selbst die unbelebten Dinge seiner Schöpfung!
Wir kennen die Geschichte von dem Atheisten, der eine gute Lektion erhielt, als er die Ordnung der Schöpfung verspottete, indem er sagte: „Warum machte ER den Samen so klein für einen Banyan-Baum, der doch so gross ist?“
Dass ein bewusstloses Ding so geordnet ist und später so etwas Grosses und Nützliches aus ihm wird, gibt den Hinweis darauf, dass Bewusstsein am Werk ist. Kann ein simples, bewusstloses Ding etwas hervorbringen, das nur fehlerloses Wissen zu vollbringen vermag? Könnte es von unserem unvollständigen Wissen hervorgebracht werden? Nein, das ist niemals möglich. Daher sagt man von GOTT, dass ER CIT (BEWUSSTSEIN) ist.

ANANDA (GLÜCKSELIGKEIT) ist der von allen Wünschen freie Zustand. Es ist beständig tiefer Friede. Hätte GOTT noch den geringsten Wunsch, wäre ER dann besser als wir? Wie könnten wir dann von Ihm Glückseligkeit erfahren?
Selbst ER bräuchte dann ein Wesen, das Ihm seine Wünsche erfüllt. Wer kann sich solch einen GOTT vorstellen?
Der Zustand totaler innerer Zufriedenheit ist gleichbedeutend mit Glückseligkeit.
Daher ist GOTT auch ANANDA (GLÜCKSELIGKEIT).

SEIN – BEWUSSTSEIN – GLÜCKSELIGKEIT sind untrennbar, einzeln könnten sie nicht bestehen und wären nichtig.

SEIN – BEWUSSTSEIN – GLÜCKSELIGKEIT (SAT-CIT-ANANDA-RUPI) ist die uns bekannte Form Gottes.
Als SEIN – BEWUSSTSEIN – GLÜCKSELIGKEIT gelangt ER in den Bereich unserer Erkenntnis und ist somit nicht nur ein jenseitiger GOTT.

4. Nur wer den vierten Zustand erreicht hat und ALLES als EINES sieht, kennt diesen wahren Zustand Gottes: SEIN – BEWUSSTSEIN – GLÜCKSELIGKEIT (SAT-CIT-ANANDA-RUPI).
Worte können nicht ausdrücken, Ohren nicht hören und Augen nicht sehen, wie solch ein Wesen mit der GOTTHEIT vereint ist. Hier kann nur die eigene Erfahrung dich zur Erkenntnis bringen.
Es gibt Mittel und Wege, die zu einer solchen Erfahrung führen. Sie können erklärt, erlernt und geübt werden.
Schliesslich werden wir erfahren: das ist GOTT.

5. ER hat keinen Namen; der Mensch gibt Ihm Namen. ER hat keine Form, der Mensch gibt Ihm Form. Ist dies Unrecht? Welcher Name ist nicht der Seine? Welche Form ist nicht die Seine? In welchem Klang und in welcher Form ist ER nicht enthalten?
Daher kannst du Ihn, solange du Ihn nicht wahrhaftig kennst, so nennen wie es dir beliebt und Ihn dir in jeglicher Form vorstellen, um seiner zu gedenken.
Auf Seine Gnade zu hoffen ohne eine Anstrengung deinerseits ist äusserst vergeblich.
Wäre es möglich, Seine Gnade ohne Bemühung zu erlangen, wären alle gleich; es gäbe keinen Grund für irgendeinen Unterschied. ER hat uns Mittel und Wege gezeigt. Strenge dich an, erreiche das Ziel; sei glücklich.
Aus Trägheit und Selbstsucht erwartest du Seine Gnade ohne Anstrengung deinerseits.
Die Regel, die für alle gilt, gilt auch für dich.
Lasse nicht nach, in deinen Bemühungen.
Nur dein Zutun verhilft dir zu dieser einen Erfahrung.

6. Es gibt einen Weg, der alle anderen übertrifft. Er scheint zunächst nicht so wirksam zu sein, wie die innige Verehrung Gottes mit Name und Form. Aber dennoch ist er der wirksamere. Es handelt sich ganz einfach um die Liebe, die du allen Wesen – ob gut oder schlecht – entgegen bringst.
Ohne eine solche Liebe ist deine Gottesverehrung wenig wert. Von welchem Nutzen bist du für GOTT, wenn du bei Ihm nur die Erfüllung deiner Wünsche suchst, ohne deine Pflicht gegenüber den Bedürftigen dieser Welt zu verrichten? Das kann dir doch nur als pure Selbstsucht angerechnet werden.
In Gottes Gegenwart ist kein Platz für solche egoistische Menschen. Bedenke deshalb, dass alle Wesen Sein sind und ER allen Wesen inne wohnt und verehre Ihn dem entsprechend. Nur durch deine Hingabe bindest du GOTT.

7. In dem du GOTT Namen und Formen gibst und diese in Liebe verehrst, weil du verstanden hast, dass alle Namen und Formen die Seinen sind, wird dein Geist allmählich reifer werden. So, wie sich mit dem reifen der Frucht der Geschmack verfeinert, so wird in dir das Gute wachsen und das Schlechte schwinden. Mit dem Reifen deines Geistes wird der Zeitpunkt kommen, zu dem du deinen Meister treffen wirst. Das bedeutet nicht, dass du ihn suchen musst, oder dass er dich sucht. Im rechten Moment wird die Begegnung statt finden; für jeden auf seine Art und Weise. Deine Bereitschaft führt euch zusammen, lässt dich ihm vertrauen; sie bewirkt, dass er dir den richtigen Weg zeigt und dass du seine Anweisungen befolgst. Das ist der direkte Weg, um zu GOTT zu kommen, das heisst, den vierten Zustand zu erfahren.
Beschreite diesen Weg und erreiche das Ziel: SEIN – BEWUSSTSEIN – GLÜCKSELIGKEIT, die Essenz aller Dinge, das ist GOTT.

8. Der Weg, den der Meister zeigt, ist endgültig und direkt; die Einheit ist sein Ziel. Er ist seit langem erprobt, natürlich, frei von Illusionen und schmerzlos.
Einmal auf diesem Weg angekommen, kommen weder Ängste noch Zweifel auf. Sind nicht Zweifel und Ängste Eigenschaften der Wege der Finsternis?
Wie sollten sie dir also begegnen auf dem Weg der Wahrheit, den der Meister dir zeigt?
So wird der Weg selbst dich überzeugen, dass er der richtige ist.

Es bleibt also nichts anderes mehr für dich zu tun, als deinen Meister zu treffen und von ihm zu lernen. Ihr habt diesen Weg gemeinsam. GOTT will es so.
Er hat ihn vor dir beschritten; jetzt zeigt er ihn dir und du folgst ihm.
Wie vielen anderen wirst du den Weg zeigen?
Und wie viele werden später dem gleichen Weg folgen?
Daher haben Angst und Zweifel sicherlich keinen Platz auf dem Weg der Wahrheit.
Hast du einmal einen Schritt gemacht auf deinem Weg, wirst du nicht mehr zurück weichen. Die Hilfe deines Meisters benötigst du vor allem für den ersten Schritt.
Es ist nicht nötig, etwas für deinen Meister zu tun, um den Weg der Wahr gezeigt zu bekommen. Wisse, dass er ein Bote Gottes ist, gesandt, um denjenigen den Weg zu öffnen, die durch eigene Anstrengung gereift sind – entweder durch die Liebe zu allen Wesen oder durch Verehrung Gottes mit Name und Form oder durch beides.
Der, der dir diesen göttlichen Boten schickt, sobald du die nötige Reife erlangt hast, das ist GOTT.

9. Den Weg der Hingabe und der Verehrung Gottes nennt man Bhakti Yoga; der Pfad, der zum Gewahrsein der Wirklichkeit durch das Erkennen führt wird Jnana Yoga genannt.
Und der Weg, der durch selbstlose, mit Liebe getane Arbeit in der Welt beschritten wird, nennen wir Karma Yoga
Das Üben auf dem vom Meister gezeigten Weg nennt man Yoga und der daraus resultierende Zustand wird Jnana genannt.

Es ist ganz natürlich und erforderlich, zunächst etwas zu glauben, das man noch nicht kennt, um es schliesslich zu finden.
Wer an nichts glaubt, kann auch nichts finden. Daher werden die Gläubigen früher oder später Erfolg haben, die Ungläubigen jedoch niemals. Und wenn du nur glaubst, weil der Glaube an GOTT nicht schadet! Auf diese Weise erntest du deinen Teil an guten Früchten.
Diese Welt existiert nur, um den Glauben in dir zu erwecken. Das ist der eigentliche Zweck der Schöpfung.
Glaube! - und du findest deinen Weg zu GOTT.

10. Selbst wenn du nicht alles glaubst, was über GOTT gesagt wird, glaube zu mindest: „Es gibt GOTT“. Dieser Same trägt eine grosse Kraft in sich; er ist so stark, dass er alles andere verdrängt und mit sich selbst ausfüllt. Er ist so allmächtig, dass du nichts anderes mehr als GOTT sehen wirst, nicht einmal mehr dich selbst.
Wahrlich: alles ist GOTT.






Friede

1. Was ist Friede? Wenn der Mensch sich im Tiefschlaf befindet, besteht die Welt weiterhin, aber macht er sich die geringste sorge um sie? Sein Geist ist still und ausgeruht.
Bleibt nun sein Geist genau so still und unbewegt, auch wenn er mit der Welt konfrontiert ist und in ihr handeln muss, dann ist das Friede.

2. Kann der Geist in diesem Zustand bleiben, selbst wenn er sich mit der Welt auseinander zu setzen hat?
Das hängt von unserer Einstellung zur Welt ab. Der Geist erregt sich mehr, wenn der eigene Besitz geplündert wird, als wenn dies einem anderen widerfährt. Der Verlust der eigenen Dinge schmerzt viel mehr, als das, was ein anderer verliert. Warum ist das so? Es ist unsere Einstellung zu den Dingen, die bestimmt, in welchem Ausmass sie uns Freude oder Leid verursachen.
Lernte man folglich alles als gleichwertig an zu sehen, könnte der Geist sehr friedvoll sein; oder, würde man alles als uns gehörig und als sehr wertvoll ansehen, gäbe es auch keinen Grund zur Sorge. Worum sollte man sich sorgen? Der Geist, der weiss, dass es nichts zu bedauern gibt, wird notwendigerweise ruhig werden.

Auch das Gefühl, dass man auf nichts einen Anspruch haben kann und das alles vergänglich ist, gibt einem kühle Gelassenheit.
Es bringt also dauerhaften Frieden, wenn man alles als gleichwertig ansieht. Nur unsere innere Einstellung entscheidet über den FRIEDEN.

3. Ich möchte jetzt dafür ein Beispiel geben: jemand erwacht aus einem Traum, in dem er gerade noch vergnügt oder bekümmert war, je nach seiner Einstellung zu dem, was er geträumt hat. Aber nach dem Aufwachen ist sein Geist unberührt von all den Ereignissen im Traum. Wie das?
Weil sein Verstand jetzt alle Einzelheiten des Geträumten gleich bewerten kann. Er bedauert auch nicht, dass der Traum beendet ist, weil er weiss, dass Träume nicht ewig dauern, sondern beim Aufwachen enden. Genau so ist es, wenn der Mensch davon überzeugt ist, dass er früher oder später aus dem langen Traum seines Lebens in dieser Welt erwachen wird – sein Geist bleibt unberührt.
Das ist Ruhe. Das ist FRIEDE.

4. Das bedeutet nicht, dass seine Beziehung zur Welt beendet ist, aber er ist nun von Frieden und kühler Gelassenheit erfüllt. Er handelt immer nur so, wie die Umstände es erfordern. Die einzige Veränderung in ihm, die der Seelenfriede mit sich brachte, ist, dass sein Geist die Wahrheit erkannt und sich von allem los gesagt hat; daher bleibt er friedvoll.
Seine Handlungen können variieren, sind aber immer unvoreingenommen, während die Handlungen anderer auf Grund ihrer vorgefassten Urteile unterschiedlich sind.

Somit bewirkt die heitere Gemütsruhe sehr viel Gutes – nicht nur für ihn selbst, sondern für die ganze Welt.

Der Weg zur richtigen Lebensführung wird geebnet durch inneren FRIEDEN.

5. Jemand geht dahin mit einer leuchtenden Lampe in der Hand. Kann es zwischen dem Licht und den Unebenheiten des Weges zu einem Konflikt kommen? Sicherlich nicht!

Aber Licht und Dunkelheit können nicht gleichzeitig bestehen. Das Licht vertreibt die Dunkelheit, bringt die Unebenheiten des Weges zum Vorschein und verhilft dazu, dass der Weg vorsichtig begangen werden kann. Das Licht der Lampe beseitigt die Ursache für unnütze Klagen wie „der Baumstumpf hat meinen Fuss verletzt“ oder „dieses Loch hat mich zum stolpern gebracht“.
So ist es auch, wenn der Friede gefunden wird: Der Mensch verspürt keinen Hass und keine Feindseligkeiten mehr gegenüber der Welt. Der Friede vertreibt die Finsternis, die uns die wahre Natur der Welt mit ihren Hindernissen verschleiert. In Abwesenheit dieses Friedenslichtes, welches dazu befähigt sich an die verschiedenen Umstände anzupassen, verdammen die Menschen die Welt als einen Ort voller Elend, so wie sie sich über die Unebenheiten eines Weges beklagen.

Daher sollte ein Mensch, der vollkommenen Frieden gefunden hat durch die Erkenntnis, dass die Welt nichts als ein steter Traum ist, weder als weltfremd angesehen werden, noch als unbeteiligt an den Tätigkeiten in der Welt. Nur steht er in wirklicher Eintracht mit der Welt; nur er kann richtig handeln.
Was unsere Aufgaben wirklich regelt, ist FRIEDE.

6. Das Interesse eines „Friedensmenschen“ an den Aktivitäten der Welt liegt darin, diese zu verbessern. Sollte er sich vor der Welt scheuen, wie könnte man da eine Verbesserung von seitens jener hoffen, die sie als wirklich betrachten, sie wertschätzen und sich gegenseitig bekämpfen, um sie zu besitzen . . .?
Sie stehen unter der Herrschaft des Egoismus und sind blind für Gerechtigkeit.
Um einen Blinden auf dem Weg zu führen oder um ein krankes Auge behandeln zu können, muss man selbst gute Augen haben. So kann auch nur derjenige eine Verbesserung der Welt bewirken, der den Unterschied zwischen seiner unveränderlichen Natur und der veränderlichen Natur der Welt erkannt hat und Frieden lebt.
Diese Menschen können nicht anders, als der Welt zu dienen. Wie das? Kann denn jemand so hartherzig sein und einem Kind nicht aufhelfen, das ausgerutscht und hingefallen ist? Wer sonst, als der Weise, kann die Nöte der Welt richtig einschätzen und den Menschen helfen? Da er sich nicht mehr mit Körper und Geist identifiziert, empfindet er den Dienst an der Welt nicht als Mühsal, so wie auch die aus einem Körper entwichene Lebenskraft nicht leidet, wenn ein beladener Wagen über diesen fährt. Er wird vor keiner Arbeit und vor keiner Schwierigkeit zurückschrecken.
Solcher Mut und solche Geistesgegenwart kann nur erreicht werden durch die Verwirklichung wahren FRIEDENS.

7. Dem Anschein nach wirkt Friede armselig und schwach. Aber, wenn es darauf ,ankommt, kann er alles schlagen. Er übertrifft alles an Ausdauer und Mut; und das sind ja die Eigenschaften, die den Erfolg bestimmen.

Selbst wenn der Berg Meru (mystischer Berg in der Hindu Mythologie) einstürzen sollte, würde das bei einem Menschen des Friedens nicht mehr als ein leichtes Lächeln auslösen oder ihn sogar ganz unberührt lassen. Dieser Zustand ist sowohl für das weltliche als auch für das spirituelle Leben sehr hilfreich.

Der Weise hat das wahre Glück in dieser Welt verwirklicht, ein Glück, das aus dem Loslassen von Bindungen erwächst.

Jedem in jeder Weise Gutes zu tun ist die wahre Bedeutung von FRIEDEN.

8. Die Gegenspieler des Friedens sind zahlreich. Sie sind dazu da, um die Menschen zu prüfen. Wir sollten sehr wachsam sein, denn, sind wir mit ihnen konfrontiert, müssen wir zusehen, dass die zarte Blume des inneren Friedens selbst vor ihren Schatten verschont bleibt. Wird diese Blume geknickt, verliert sie ihren Duft, ihre Frische und ihre Farbe. Sie wird also unnütz für dich, kann niemandem mehr geschenkt und GOTT nicht geopfert werden.

Wisse, dass dein Geist empfindlicher ist, als eine Blüte. Mit Hilfe dieser Blume des inneren Friedens müssen alle deine Pflichten dir selbst, den anderen und GOTT gegenüber erfüllt werden. Sie soll daher ihre Frische für immer bewahren.
Der grösste Segen für den Geist ist wahrlich dieser FRIEDE.

9. Verehre unaufhörlich den GOTT deines SELBST mit der Blume deines friedvollen Geistes. Lass die Laune deines Geistes Zeuge dieser Anbetung sein. Allmählich werden sie lernen, ihre Kindereien aufzugeben und werden an deiner Freude teilhaben wollen.
In dem sie dich beobachten, wie du in Frieden ruhst, werden sie von selbst ihr unruhiges Gehabe aufgeben. Du selbst fahre geduldig mit deiner Verehrung fort.
Lass dich nicht ablenken von den Launen des Geistes, im Gegenteil, lasse sie durch deinen Frieden selbst friedlich werden.
Alles werde zu Frieden!

10. Ich möchte mit einem Satz enden:
Die Essenz aller Veden ist FRIEDE.






Vom Handeln

1. Alles Handeln kommt von GOTT. In seiner Schöpfung hat jedes Ding eine spezifische Funktion. ER bewirkt, dass das Belebte und das Unbelebte ihre jeweiligen Rollen spielen.
Von Ihm kommt alles Handeln.

2. Alle Wesen erfüllen die ihnen zugewiesenen Aufgaben. Was hat GOTT damit zu tun? Zuerst wollen wir uns für die Lebewesen interessieren und auf das Unbelebte später eingehen.

Betrachten wir nun, wer unser Handeln bestimmt. Wir alle streben einen höheren Zustand an und arbeiten darauf hin; unsere Erfolge sind aber nicht die gleichen. Das Ziel ist also für jeden das gleiche und, nehmen wir an, auch die aufgewendete Arbeit. Wie kommt es nun, dass die Ergebnisse verschieden sind? Hier gibt GOTT uns zu verstehen, dass ER hinter allem Tun steht. Sonst würden wir alle dasselbe erreichen, Unterschiede wären nicht gerechtfertigt. Gibt es denn irgend jemanden, der seine Situation nicht verbessern möchte? Was auch immer die Absicht anderen gegenüber sein mag, das, was man für sich selbst anstrebt, ist sicherlich ehrlich gemeint.
Obwohl also immer die gleiche, ehrliche Motivation zu Grunde liegen mag, so sind die Resultate dennoch verschieden, denn von GOTT kommt alles Handeln.

3. Wird nun argumentiert: „Zwar mögen alle Wesen die gleichen Absichten haben, die einen bemühen sich jedoch mehr, die anderen weniger und daher erreichen sie nicht dasselbe“, dann stellt sich die Frage: „Was ist Bemühung?“ Hängt sie nicht von der Vorstellung ab, die man sich von ihr macht? Und basiert diese Vorstellung nicht auf der gleichen, ehrlichen Motivation aller Wesen? Dennoch ist die Vorstellung von Bemühung von einem zum anderen verschieden. Auch da zeigt uns GOTT: von Ihm kommt alles Handeln.

4. Behauptet man jetzt: „Auch bei gleicher Motivation hängt es eben von den individuellen Fähigkeiten ab, wie sehr man sich Bemühen kann“, so stellt sich die Frage: „Was bestimmt diese Fähigkeiten?“ Es ist der Körper und der Geist,der sie prägt. Auch die Umwelt spielt eine Rolle. Dies sind die Faktoren, die berücksichtigt werden müssen.
Der Körper und der Geist setzen also Grenzen, die das Individuum nicht beeinflussen kann. Ob folglich seine Bemühungen ausreichen, um das festgesetzte Ziel zu erreichen, liegt nicht in seiner Macht.
Das zeigt: Von GOTT kommt alles Handeln.

5. Wenn man schliesslich sagt, dass der Körper, der Geist und die äusseren Umstände allmählich der zu erfüllenden Aufgabe angepasst werden können, so setzt dies eine anfängliche Unzulänglichkeit voraus.
Damit gesteht man ein: von GOTT kommt alles Handeln.

6. Ist es nun gut oder schlecht, wenn die Menschen ihre Ziele nicht erreichen?
Es ist sicherlich gut. Warum? Die meisten Menschen sind selbstsüchtig, du kannst also selber beurteilen, ob ihre Erfolge der Welt zugute kommen oder nicht.

Nun kannst du dich fragen: sollten nicht wenigstens die Anstrengungen der selbstlosen Menschen immer erfolgreich sein? Wenn diese auch nach aussen hin selbstlos wirken, so sind sie doch meistens nicht makellos. Der Grund ist das Ego. Wenn die anscheinende Selbstlosigkeit ein Gefühl der Überlegenheit anderen gegenüber aufkommen lässt, wird GOTT sie in ihrem Bemühen enttäuschen und sie belehren: „Ihr seid nicht besser als die anderen und ich bestimme über euch.“

Wer frei ist von Selbstsucht und frei vom Ego – der ist ein Werkzeug Gottes. Weil die Wolke des Ego das Göttliche in ihm nicht mehr verbirgt, kann GOTT durch ihn wirken und all seine Pläne werden wahr. Er ist demnach ein Mensch der „wahren Absicht“ (Satya Sankalpa).
GOTT strahlt direkt aus ihm, nichts Dunkles ist mehr in ihm vorhanden. Nur er kennt den wahren Willen Gottes. Durch ihn erfüllt GOTT seinen Schöpfungsplan.
Von GOTT kommt alles Handeln.

7. Auf die Fragen: „Gibt es überhaupt einen einzigen Menschen mit „wahrer Absicht?“ und „Warum erhält die Welt nicht die ganze Segensfülle?“ ist die Antwort sehr subtil: die Weisen, die wissen, dass alles Handeln Gottes Wirken ist, widmen sich der Aufgabe, dies auch anderen bewusst zu machen. Es gibt kein grösseres Gut als das Wissen, dass alles Handeln allein von GOTT kommt, nicht von uns.
Dieses Wissen enthält die ganze Segensfülle. Daher ist es die Mission der Weisen, uns GOTT so zu vermitteln, wie sie Ihn und Sein Handeln erfahren haben.

Sie sagen jedoch nicht: „Erkenne GOTT in diesem Augenblick“, sondern sie lehren die Mittel und Wege zu dieser Erkenntnis und ermutigen die Menschheit dazu, den gleichen Weg zu gehen, den auch sie beschritten haben. Das ist alles.

Sie sagen auch nicht: „Sei sofort befreit“, weil dies für die gewöhnlichen Menschen nicht möglich ist. Sie bitten auch GOTT nicht darum, die Menschen sogleich zu erlösen, denn sie sind frei vom Ego und denken: „Gott weiss, was ER zu tun hat und tut es. Warum sollte ich mich da einmischen?“

Somit möchten sie nur ihre Aufgabe erfüllen, ohne deren Früchte zu ernten. Sie haben erkannt, dass GOTT allein die Früchte der Taten verteilen kann. Sie beobachten einfach den Lauf der Dinge in der Welt, gehen ihrer Arbeit nach und denken nie daran, ihre eigene Welt zu erschaffen. Dies wäre ja nur eine Form von Egoismus.

Die Schöpfung ist so, wie sie sein soll. Alles ist an seinem Platz.
Von GOTT kommt alles Handeln.

8. Wissend, dass ihr Tun der höheren Macht unterworfen ist, wie könnten sie da etwas nach ihren eigenen Ideen gestalten wollen? Nein, das können sie nicht. Sie erfüllen nur ihre Pflicht.
Die Schriften sagen: „Verrichte deine Arbeit, ohne an ihre Früchte zu denken“.
So wie Zorn einen Menschen unverhofft überkommen kann, selbst wenn er dazu entschlossen war, nicht zornig zu werden und gelassen zu bleiben, so können auch Weise mit „wahrer Absicht“ (Satya Sankalpa) über die Ungerechtigkeiten in der Welt erschüttert sein und unwillkürlich denken: „Lieber GOTT, mach, dass es gut werde!“ Dann wir es gewiss geschehen. Das erklärt die aussergewöhnlichen Ereignisse in der Welt. Die grossen Umwälzungen sind das Resultat eines Wunsches, der sich in die Gedanken eines Weisen eingeschlichen hat. Das ist das Gesetz der Natur. Wer kann es ändern?
Von GOTT kommt alles Handeln.

9. Was auch immer sich ereignet, es ist der natürliche Lauf der Dinge. Es ist richtig, so wie es ist. Alles geschieht allein durch Seinen Willen.

Wenn man genau überlegt, ist es nicht falsch zu denken: „Gott lässt den Dieb stehlen“.
Warum? Weil der Gedanke: „Es ist GOTT, der ihm jetzt eine angemessene Strafe erteilt“ unser eigenes Urteil mildert und somit kein böses Blut gegen den Dieb aufkommen lässt. Das ist die Frucht der Erkenntnis, dass alles Handeln von GOTT kommt. Wenn auch kein böses Blut gegen den Dieb aufkommt, so verachten wir doch den Diebstahl selbst. Auch das ist das Resultat unserer Erkenntnis, dass alles Handeln von GOTT kommt.
Wie kommt das? Der Dieb verachtet selbst den Akt des Stehlens; würde er stillhalten, wenn seine Sachen gestohlen würden? Natürlich nicht. Wem ist es nicht bewusst, dass das Gute richtig und das Böse falsch ist? Daher kann die Einsicht, dass alles Handeln von GOTT kommt, ein Zeitalter der richtigen Lebensführung herbeiführen.

Weiter reicht unsere Erkenntnis nicht. Wir können nur wiederholen, was wir schon wissen. Wir brauchen uns somit über das, was jenseits unserer Erkenntnis liegt, keine Gedanken zu machen. Auch das ist Gottes handeln.

10. Das Wissen, dass alles Handeln von GOTT kommt, ist eine der Früchte der Erkenntnis, die GOTT uns gewährt. Machtlos fragen wir Ihn: „Warum handelst Du in dieser Weise?“ Alle Religionen gestehen ein ähnliches Mass an Machtlosigkeit ein. Weil die Früchte unseres Handelns oft nicht unseren Wünschen entsprechen, weil unsere Macht also beschränkt ist, müssen wir eingestehen, dass alles Handeln von GOTT kommt.
Dieses Gesetz, das für uns gilt, gilt auch für alles Übrige, sogar für das Unbelebte in der Welt. Wir sind in keiner Weise bevorzugt. Alles ist eins. Auch wenn manche Menschen nicht zugeben wollen, dass alles Handeln von GOTT kommt, so müssen sie doch ihr eigenes Unvermögen eingestehen.
Selbst das ist Gottes handeln.






Vom Ego zum ICH

1. Oh, Ego, alles Übel dieser Welt kommt von dir. In der Absicht dich zu vernichten, erlassen die Könige Gesetze und lehren uns die Weisen die Wahrheit.
Seit unerdenklichen Zeiten widerstehst du ihren Bemühungen und bist – leider – immer noch am Leben; du versteckst dich ganz einfach und erscheinst immer wieder. Gibt es denn kein Ende mit dir? - Oh doch, es nähert sich immer mehr. Ein anderes ICH hat begonnen, dich zu vernichten. Es ist das Bewusstsein: ICH-BIN-BRAHMAN (BRAHMAN AHAM BHAVA), das universelle ICH.

2. He, Ego, glaube nur nicht, dass dein Feind dir gleicht. Du bist vergänglich, während ER es nicht ist. Dein „Ich“ ist nur eine Einbildung, weil du immer zwischen „Ich“ und „Du“ und „Er“ unterscheidest. Dieser Einbildung unterliegt dein Feind nicht.
Wie das? Er gleicht alle Unterschiede aus und löst alles in sich auf. Du verspürst feindselige Gefühle Ihm gegenüber, weil ER angetreten ist, um dich zu vernichten. Aber ER fühlt nichts Böses gegen dich.
Wie kommt das? Weil du in Seiner Gegenwart gar nicht existierst. ER betrachtet dich als ein Teil Seiner Selbst. Du bist nur eine Täuschung, deshalb löst du dich in Seiner Nähe auf. ER würde nicht auf die Idee kommen dich zu töten, denn aus Seiner Sicht hast du gar keine Bedeutung. Du bist Ihm feindlich gesinnt, ER jedoch hat nichts gegen dich. Kurz gesagt, du bist dein eigener Feind. Warum? Aus deiner Machtgier heraus hast du dich dem Erhabenen gegenüber in Szene gesetzt, so wie du es immer und überall tust. Im selben Augenblick warst du verloren. Denn das ICH-BIN-BRAHMAN Bewusstsein löscht dich aus, in dem es dich verschlingt, und erstrahlt nun als das allgegenwärtige Licht, als das universelle ICH.

3. He, Ego, das Böse in deinem Wirken kennt keine Grenzen. Du bist nur zufrieden, wenn du dich über die anderen erhaben fühlst und diese vor dir erniedrigt sind. Die Kette deiner Gedanken ist endlos: „Mit welchem Titel kann ich Ehre erlangen? Wie wirke ich elegant? Verbeugen sich die anderen vor mir? Gehorchen sie schweigend? Gestehen sie ein, dass mich niemand übertrifft?“
Oh weh! Wie kurz ist doch dein Leben! Und wie vielen Dingen läufst du nach! Wie viel Böses tust du dabei! Du hast dir vorgegaukelt, dass das Glück in solchen Ideen und im sich Abheben von den anderen zu finden wäre? Das ist nicht gut für dich. Haben nicht die anderen auch ein Recht auf all das? Wie klein ist doch dein Anteil an dem, was Abermillionen anderen Menschen auch zusteht! Strebe also nicht vergeblich danach, alles zu besitzen und zu beherrschen. Deine eitlen Wünsche erzeugen dir und den anderen nur Kummer und Sorgen. Höre deshalb meinen gut gemeinten Rat: „Derjenige, den du als deinen Todfeind ansiehst, ist in Wirklichkeit dein wahrer Freund. Er weiss, wie er dich zu wahrer Güte und Grösse führen kann. Ergebe dich Ihm. Das ICH-BIN-BRAHMAN Bewusstsein ist nicht dein Feind, sondern dein wahrer Wohltäter als das universelle ICH.

4. Du kannst jetzt in keiner Weise erahnen, was das universelle ICH-BIN aus dir machen wird, wenn du dich Ihm gänzlich hingibst. Denn, was auch immer ich davon erzähle, du kannst es nicht verstehen. Es ist eine Frage der Erfahrung.
Zweifellos wir ES nichts geringeres tun, als dich zu Ihm emporzuheben. Sei daher nicht besorgt über deine Zukunft; ergebe dich geradewegs. Sollte dich nicht schon im ersten Augenblick deiner Hingabe Freude überkommen, kannst du dich ja immer noch abwenden.
So wie das trinken von Milch mit einem guten Geschmack beginnt und mit gestilltem Hunger endet, so beginnt auch die Hingabe mit Freude und endet in vollkommener Glückseligkeit, jenseits von Freud und Leid. Daher ist dein Ziel zweifellos die Erfahrung ICH-BIN-BRAHMAN, das universelle ICH.

5. Was wird dein neuer Name sein nach deiner Hingabe? Es gibt keinen Namen, ausser dem Deinen.

Die Veden preisen Dich, die Welt lobt dich, Du bist die Essenz aller religiösen Lehren.

Und welches ist Deine Form? Alle Formen sind Deine, es gibt keine Form, die nicht die Deine ist. Was in den Tempeln verehrt wird, das bist Du; was in den Veden beschrieben wird, das bist Du; Feste und Feierlichkeiten sind alle für Dich.
Und was wird Deine Macht sein? Nur in Deiner Gegenwart ist die Welt in Bewegung; alles ist, was es ist, wegen Dir. Kurz gesagt, alles verherrlicht Dich und bezeugt Dein Dasein. Alles ist von Ehrfurcht erfüllt.
Diesen Zustand konntest du dir nicht einmal erträumen!
Beginne sogleich; gib deine Selbstgefälligkeit auf; ICH-BIN-BRAHMAN erwartet dich als das universelle ICH.

6. Möchtest du aus deinem Traum erwachen oder lieber weiter träumen? Wie lange werden die Traumbilder bestand haben? Sei nicht träge, schüttle deinen Schlaf ab und wach auf! Du bist ja Zeuge deiner mentalen Bilder, warum hältst du dann noch an ihnen fest? Das ist doch sinnlos. Finde heraus, wer es ist, der diese Traumbilder sieht. Täusche dich nicht, du bist nicht diese Bilder, die in dir aufsteigen und wieder absinken; wach auf! Im selben Augenblick, in dem du erwachst, wirst du erkennen, dass Wachsein besser ist als Träumen. Stehe auf! ICH-BIN-BRAHMAN wartet darauf, dein Erwachen zu bejubeln als universelles ICH.

7. Befürchte nicht das Ende dieses Traumes. Einmal erwacht, wirst du den selben Traum viel klarer sehen können, ihn als Zeuge mit einem Lächeln betrachten und dich nicht mehr von ihm täuschen oder verwirren lassen. Er wird dir wie ein Scherz vorkommen und dich nicht mehr belasten.

Im Traum nehmen deine Vorstellungen Gestalt an. Wach auf und erkenne den Traum als nur einen Traum. Verwechsle den Traum nicht mit dem Wachzustand. Erkenne ihn als einen Traum. Um dies zu können, musst du den Zustand des ICH-BIN-BRAHMAN erreichen, des universellen ICH-BIN.

8. Es ist zu deinem Wohl, nicht in meinem eigenen Interesse, dass ich zu dir gesprochen habe. Solltest du nicht wenigstens glauben, dementsprechend handeln und dich nur dann abwenden, wenn es nichts Gutes bringt? Wie kann ich dir helfen, wenn du sogar die zahlreichen Lehren der Weisen als sinnlos verwirfst? Kein Zustand ist höher als der, den ich beschrieben habe. Es dient deinem Wohl und durch dich auch dem Wohl anderer, wenn du ihn verwirklichst. Sei nicht immer noch selbstgefällig! Beginne sofort. Das ICH-BIN-BRAHMAN Bewusstsein, das bist du, als universelles ICH.

9. Oh, Ego, siehst du, wie du allem versklavt bist und somit leidest?
Wie bedauernswert ist dein Zustand! Alle sind dir feindlich gesinnt. Wenn du sagst: „Nur für mich“ behaupten alle anderen: „Nur für mich, nur für mich“.
Wenn du sagst: „Ich bin der Grösste“, erheben die anderen Einspruch und sagen: „Warm? Wir sind es!“ Alle sind deine Feinde, ausser dir selbst. Durch den Ärger, den sie dir bereiten, verstärken sich deine Illusionen um das Vielfache. Würdest du nicht an Grösse gewinnen, wenn du dich dem EINEN hingibst? Dann werden auch all deine Feinde wieder respektvoll und freundlich zu dir sein! Du brauchst nur zu sagen: „All dies ist euer!“ und schon wird jeder zu deinem Freund.

Es gibt nur Eines, das dich so grossherzig machen kann, es ist das ICH-BIN-BRAHMAN Bewusstsein, das universelle ICH-BIN.

10. Nun möchte ich nur noch ein Wort sagen. Ich sage es nicht aus egoistischen Gründen, sondern, weil ich mich dazu verpflichtet fühle; und weder speziell zu deinem oder zu meinem Nutzen, sondern zum Wohl aller. Die Wahrheit ist: BRAHMA AHAM BHAVA – Ich bin Brahma, das universelle ICH.





 




Licht der göttlichen Gnade,
Unendliche Liebe beschütze uns!
FRIEDE

OM TAT SAT